Nahverkehrs-ABC
Auf dieser Seite bekommen Sie Begriffe und Wortgruppen erklärt, mit denen Menschen, die in der Nahverkehrsbranche tägig sind, täglich zu tun haben und um sich werfen. Teilweise fällt es ihnen schwer, einem Außenstehenden in "normalen Worten" etwas zu erklären, da sie diese speziellen Worte schon in ihren Standard-Wortschatz aufgenommen haben.
Wenn Ihnen also gesagt wird, dass am Hauptbahnhof ein "Übereckanschluss" durch einen "Taktversatz" erreicht werden kann, suchen Sie diese Seite auf. Sie wird Ihnen als "Übersetzungsquelle" oder auch als "Nahverkehrs-ABC" dienen.
Sollte ein Begriff hier noch nicht erklärt worden sein, schreiben Sie bitte eine Nachricht über das .: Kontaktformular. Gern auch mit der Erklärung eines Begriffs aus der Nahverkehrswelt, sofern Sie diese bereits wissen.
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K
Kurzwende [neu]Hiermit ist nicht etwa ein kurzer (oder kleiner) Wendekreis eines Busses gemeint. Vielmehr geht es hier beispielsweise um einen Zug, der am Endbahnhof nur sehr wenig Aufenthalt hat, bis er wieder zurückfahrt. Der Zug verbleibt dann meistens am Bahnsteig stehen und fährt nicht auf das Abstellgleis. Kurzwenden nehmen - gerade bei Nahverkehrs-Bahnlinien - immer mehr zu, denn je weniger Aufenthalt die Züge einer Linie am Endbahnhof bis zur Rückfahrt haben, desto weniger Züge (und Zugpersonal) werden auf der Linie benötigt. Durch diese Einsparungen kann seitens des Bahnunternehmens ein wirtschaftlicherer Betrieb durchgeführt werden.
N
NullknotenViele oder gar alle Linien treffen an einer Haltestelle oder an einem Bahnhof etwa zur vollen Stunde (Minute Null) ein und verlassen diese Haltestelle oder den Bahnhof nach einem kurzen Aufenthalt danach wieder. Durch das zeitgleiche Zusammentreffen kann von jeder in jede Linie bzw. Reiserichtung umgestiegen werden. Darum auch "~knoten" (= Knotenpunkt, "verknotetes Netz", eng verflechtet, vom Muster her ähnlich wie bei gestrickter Bekleidung).
Treffen diese Linien nicht zur vollen, sondern zur halben Stunde, aufeinander, so spricht man von einem "Halbknoten".
T
TaktversatzEr tritt gelegentlich bei einem Taktfahrplan auf, d. h., wenn eine Linie in in gleichen Abständen fährt, z. B. alle 60 Minuten. Vor allem bei Linien des Bahn-Regionalverkehrs kommt es hin und wieder zu einem Taktversatz. Dabei wird das Fahren im regelmäßigen Takt unterbrochen, eine Fahrt wird etwas früher oder später durchgeführt. Der Grund liegt dabei oft darin, dass zu der Zeit, zu der dieser Zug fahren soll, in einer Stunde ein anderer wichtiger Zug (Fernverkehrszug, Güterzug o. ä.) Vorrang bekommen soll, so dass der Regionalzug ausweichen muss und erst später fahren kann. Auch bei Buslinien sind Taktversätze möglich, z. B. um zum Schulbeginn oder -ende eine bedarfsgerechte Fahrtmöglichkeit anzubieten.
W
WagenzugdurchlaufDieser Begriff kommt gelegentlich vor, wenn bei der Eisenbahn über Fahrpläne gesprochen oder geschrieben wird. Er scheint schon recht lang im Bahnwesen verwendet zu werden, glücklicherweise tritt er im Zeitalter des Bestrebens der Bahngesellschaften nach verständlicher Kundeninformation und wirksamem Marketing nur noch selten auf. Gemeint ist mit einer Formulierung wie "Der Zug aus Berlin erhält in Dessau einen Wagenzugdurchlauf nach Leipzig", dass der aus Berlin kommende Zug ab Dessau weiter bis Leipzig fährt, Fahrgäste nach Leipzig können im Zug sitzen bleiben. Paradoxerweise wird der Begriff heute immernoch ab und zu für Sachverhalte wie in dem Beispiel von eben benutzt, obwohl dies in den meisten Fällen sachlich unkorrekt ist - denn ein "Wagenzug" sind aneinandergekuppelte (Reisezug-)Wagen, ohne Lok. Wenn es denn in Dessau zu einem echten "Wagenzugdurchlauf" kommen sollte, müsste dort folglich die Lok ausgetauscht werden, damit der "Wagenzug" (also die Wagen des Zuges aus Berlin) nach Leipzig "durchlaufen" kann. In diesem Beispiel würde man die Lok aber sinnvollerweise nicht wechseln, da man von Berlin nach Leipzig mit der selben Lok (zum Beispiel einer elektrischen Lok) fahren kann. Wagenzugdurchläufe gibt es meist bei internationalen Fernzugverbindungen, bei denen öfter mal die Lok des Zuges getauscht werden muss, da zur Weiterfahrt beispielsweise keine Fahrleitung zur Verfügung steht oder im nächsten zu passierenden Land ein anderes Stromsystem für den Eisenbahnverkehr existiert.
Z
(Der) Zug endet hier. [neu]Diese Floskel aus dem großen Themengebiet der Eisenbahn ist schon so fortgeschritten in vieler Munde verbreitet und "gelernt", dass sich kaum jemand noch genaue Gedanken darüber macht, was es - wörtlich genommen - eigentlich aussagt. Verstanden wird "Der (oder: Dieser) Zug endet hier" als "Hier ist Endstation, es geht hier nicht weiter". Was jedoch in Wirklichkeit dort endet, ist die Zugfahrt. Der Zug an sich beginnt und endet immer und überall - während der Fahrt, während des Stehens am Signal oder im Bahnhof ... - er beginnt klassischerweise mit einer Lokomotive und endet mit dem letzten Wagen. In der heutigen modernen Zeit kann aber auch beispielsweise der Steuerwagen eines Zuges den Beginn darstellen und die Lok das Schlusslicht.
