Obligatorisches: Neue InhalteKontakt | ImpressumSitemap |

Aktuell & unterhaltsam informiert.

In dieser Rubrik geht es um aktuelle und interessante Themen. Sie erfahren hier, was es Neues aus der Region Berlin/Brandenburg rund um Bahnen und Bussen zu berichten gibt. Sie finden hier Berichte überbewegende Schwerpunktthemen. Und es gibt in dieser Rubrik auch etwas zum Schmunzeln.

Der Adler & der Bär - Stichwort: Regionalisierungemittel

Eisenbahnnetz in Brandenburg schrumpft um 6 Strecken

Die Pressemitteilung des Brandenburger Ministeriums für Infrastruktur und Raumordnung, kurz: MIR, vom 21.09.2006 begann so:

"Das Infrastrukturministerium hat heute die Bahnstrecken benannt, bei denen aufgrund der Kürzungen bei den Regionalisierungsmitteln das Angebot ausgedünnt oder eingestellt werden soll. Dies geschah nach Auswertung der drei Regionalkonferenzen und intensiven Gesprächen des Ministeriums und des VBB mit den Verkehrsunternehmen.".

Und von diesem Tag an steht fest, wie das Bahn-Regionalverkehrsnetz in der Mark ab dem Fahrplanwechsel am 10.12.2006 aussieht. In einem Satz zusammengefasst: Auf einigen Strecken wird "nur" das Fahrtenangebot ausgedünnt, auf sechs Strecken fahren überhaupt keine (und wahrscheinlich auch nie mehr wieder) Regionalzüge.

 

Zum Verständnis

Das Gesetz zur Regionalisierung des öffentlichen Personennahverkehrs (Regionalisierungsgesetz - RegG) vom 27. Dezember 1993 ist unter Artikel 4 des Eisenbahnneuordnungsgesetzes am 1. Januar 1994 in Kraft getreten. Die Regionalisierung des Schienenverkehrs ist einer der drei Hauptinhalte der Bahnreform in Deutschland. Die aufgrund dieses Gesetzes verteilten Geldmittel werden als Regionalisierungsmittel bezeichnet. Und diese wurden im Zusammenhang mit der Sparpolitik des Bundes in ganz Deutschland gekürzt.

In vielen anderen Bundesländern hat man eine Querfinanzierung durch die Einnahmesteigerungen durch die Mehrwertsteuer vorbereitet und muss den Rotstift nicht beim Bahnverkehr ansetzen, in Brandenburg scheint dies nicht möglich.

 

Zum Vergleich

In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt soll es keine nennenswerten Angebotsverringerungen geben; in Sachsen wird lediglich eine Strecke von unter 5 km stillgelegt und in Thüringen sind es (vergleichsweise) nur drei Bahnstrecken.

 

Schwierige Situation

Nun ist das Land Brandenburg auch in einer sehr unglücklichen Lage. Außerhalb des Berliner Umlands, dem so genannten "Speckgürtel", ist die Besiedlung sehr dünn. Knapp 2,6 Millionen Einwohner gibt es auf einer Fläche von etwa 29.000 km². In Berlin (knapp 900 km²) leben fast 3,4 Millionen Menschen. Die vier kreisfreien Städte in Brandenburg sind mit Abstand auch die größten der Mark: Landeshauptstadt Potsdam (146.000 incl. mehrerer Eingemeindungen), Cottbus (103.000), Brandenburg an der Havel (74.000) und Frankfurt/Oder (64.000). Die für ihren Oberleitungsbusverkehr bekannte Stadt Eberswalde hat z.B. nur noch knapp 42.000 Einwohner.

Viele dieser Bahnstrecken liegen fernab von Berlin und den anderen großen märkischen Städten. Oft wohnen in den Ortschaften, die von den Zügen der betroffenen Strecken bedient werden, nur 500 Leute, Tendenz: fallend. Die Strecken sind marode und müssten dringend modernisiert werden, zumindest so, dass die Autos an den parallel führenden Straßen nicht an den Zügen vorbeirasen können. Dafür ist kein Geld und kein Potenzial (Stichwort: 500-Einwohner-Dörfer) da, heißt es beim Land, und somit hat der Rotstift hier leichtes Spiel, im Vergleich zu den anderen Bahnstrecken, die auf Berlin zuführen.

 

ÖPNV online hat im Oktober 2006 die betroffenen Bahnstrecken "besucht" und stellt hier die Strecken aus heutiger Sicht kurz vor (alle Einwohnerzahlen auf volle 500 bis 1.000 gerundet und von Dezember 2005).

Wie Sie nach der Einstellung des Eisenbahnverkehrs in die Städte gelangen, haben wir im Absatz "ERSATZVERKEHR" bei jeder Strecke beleuchtet.

Linie:

RE3

Strecke:

Abschnitt  Walddrehna - Senftenberg

Bahn:

DB

Tatsache, auch einen RegionalExpress auf einer elektrifizierten Hauptstrecke hat es erwischt. Hier wird zwar kein Bahnhof geschlossen, da an allen Stationen Züge anderer Strecken halten, aber die direkte Verbindung zwischen den Bahnhöfen (Finsterwalde - Großräschen - Senftenberg) sowie zwischen Finsterwalde (19.000 Einwohner) und Berlin ist dann weg. 55 km sind es vom Bahnhof Walddrehna, an dem die betroffene Strecke abzweigt, und dem Endbahnhof Senftenberg, die hier nicht mehr befahren wurden. Diese Verknüpfung zwischen der Dresdner Bahn, Halle-Sorau-Gubener Eisenbahn und Berlin-Görlitzer Bahn wurde nach der Wende im Jahr 1992 erst durch Verbindungskurven eingerichtet. Offenbar hat die Abwanderung aus der Fläche, oder die gestiegene Erwartung an Fahrgastzahlen, zum Abbestellen dieser Strecke maßgeblich beigetragen. Vielleicht aber auch der Ausbau zu qualitativ hochwertigen Fernstraßen zwischen Südbrandenburg und Berlin.

ERSATZVERKEHR: Senftenberg und Großräschen haben Ende Mai 2006 mit der RB14 eine (wenn auch keine besonders schnelle) stündliche Direktverbindung ins Herz Berlins über den Flughafen Schönefeld erhalten. Zwischen Berlin und Finsterwalde wurden zwischen den Linien RE3 und RE10/RB43 schnelle Umsteigeverbindungen über Doberlug-Kirchhain alle 2 Stunden eingerichtet. Zwischen Finsterwalde und Großräschen wird eine neue Umsteigeverbindung mit den Buslinien 558 und 610 eingerichtet. Die Buslinie 558 fährt von Finsterwalde nach Wormlage und zurück. In Wormlage besteht Anschluss zur Buslinie 610 nach Großräschen. Zwischen Finsterwalde und Senftenberg fährt zudem die Buslinie 602 mehrmals täglich.


Linie:

RE6/RB54

Strecke:

Abschnitt  Neuruppin West - Herzberg (Mark)

Bahn:

DB

Bis auf eine zweistündige "Mittagspause" fährt die RB54 alle zwei Stunden zwischen Neuruppin und Löwenberg (Mark). Außerdem fährt aus Berlin kommend der RE6 über Neuruppin und Herzberg alle zwei Stunden nach Rheinsberg. Also etwa stündlich Zugverkehr. Der Abschnitt Neuruppin - Herzberg auf der Ruppiner Kreisbahn (siehe auch PE53) wird nun eingestellt. Die RB54 fährt ab 2007 von Löwenberg (7.000 Einwohner in der gesamten Gemeinde Löwenberger Land) über Herzberg in die historische Kleinstadt Rheinsberg, aber dann auch nur freitags bis sonntags und im Sommerhalbjahr weiterhin täglich. Zwei Stationen zwischen Neuruppin und Herzberg werden geschlossen, einer davon hat weiterhin gute Anbindung per Stadtbus. Zwischen Herzberg und Löwenberg werden zusätzlich zwei Stationen geschlossen, darunter auch der Bahnhof Löwenberg Dorf, der um ein Vielfaches näher im Zentrum Löwenbergs liegt als der "Mark-Bahnhof", der an der Hauptstrecke Berliner Nordbahn mehrere Kilometer vom Ortszentrum entfernt ist.

Zwischen Neuruppin Rheinsberger Tor und Herzberg (Mark) sind es 14 km. Zwei Stationen wurden bereits vor gut 10 Jahren geschlossen.

ERSATZVERKEHR: Nach Lindow und Rheinsberg kommt man wie folgt: Ab Berlin von Freitag bis Sonntag und an Feiertagen sowie von Ende April bis Ende September auch an allen anderen Wochentagen alle 2 bis 3 Stunden mit der RB12 ab Lichtenberg mit einem Anschluss-Umstieg in Löwenberg in die RB54. Der erste Zug des Tages fährt bereits ab Berlin von Lichtenberg und Gesundbrunnen umsteigefrei nach Rheinsberg, die letzte Fahrt abends wieder zurück. An den verbleibenden Tagen gibt es mehrmals am Tage die Möglichkeit, mit dem RE5 bis Gransee zu fahren und dort in den Bus 784 nach Rheinsberg zu steigen. Ab Neuruppin geht es wochentags stündlich und am Wochenende vereinzelt mit dem Bus 764 direkt nach Rheinsberg. Die Gesamtreisezeit und die Fahrthäufigkeit ändern sich unterm Strich nicht wesentlich, nur muss öfter als bislang umgestiegen werden.


Linie:

OE25

Strecke:

Abschnitt  Werneuchen - Tiefensee

Bahn:

ODEG

Alle 2 Stunden fährt auf der Wriezener Bahn heute noch ein Triebwagen zwischen Werneuchen (4.000 Einwohner) und Tiefensee (250 Einwohner) mit einem weiteren Zwischenstopp (bei Bedarf). Etwa 7 km Bahnstrecke gehen ab Dezember hier leer aus. Ab Werneuchen fahren die Triebwagen stündlich nach Berlin. Und von Tiefensee ging die Strecke auf weiteren 25 km weiter bis Wriezen (7.500 Einwohner). Ein Teil davon wird heute touristisch mit Draisinen befahren. Der Rest zwischen Werneuchen und Tiefensee hoffentlich auch dann, erstens, damit die Draisinenfreunde mit dem Zug anreisen können und zweitens, damit die Strecke eine würdige Nachnutzung erhält.

ERSATZVERKEHR: Mit der Beendigung des Zugverkehrs wird die Buslinie 887 (Bad Freienwalde - Tiefensee) der Barnimer Busgesellschaft bis Werneuchen verlängert und ersetzt so weitestgehend die OE25.


Linie:

PE53

Strecke:

Neustadt (Dosse) - Neuruppin Rheinsberg. Tor

Bahn:

PEG

Die Bahn verbindet alle 2 Stunden (in der Hauptverkehrszeit stündlich) die architektonisch sehr reizvolle Fontanestadt Neuruppin (32.000 Einwohner) mit der Kleinstadt Neustadt (Dosse) (4.000 Einwohner), die bekannt für ihre Pferdegestüte ist. Beide Städte sind zugleich Umsteigepunkte zu derzeit jeweils zwei weiteren Bahnstrecken. Neustadt verlor bereits in 2003 die Bahnverbindung nach Rathenow. Unweit von Neustadt befindet sich der Ort Kampehl, dort kann man die spektakuläre Sage des Ritters Kahlbutz nebst Überresten des Ritters selbst erleben. Alle anderen Orte an der Strecke sind verschwindend klein. Die Strecke hat eher Verbindungs- als Erschließungscharakter.

Die Strecke der PE53 ist etwa 29 km lang und wird dem Netz der Ruppiner Kreisbahn zugeordnet. In den 1990er Jahren wurden bereits fünf Haltepunkte geschlossen. Heute werden 6 Stationen bedient.

ERSATZVERKEHR: Es werden einzelne Fahrten der Buslinie 711 über Neustadt (Dosse) geführt, um die Anbindung von Neustadt (Dosse) an Neuruppin sicherzustellen. Ergänzt wird das Angebot um einzelne zusätzliche Fahrten auf dieser Linie wochentags abends und am Wochenende.


Linie:

OE63

Strecke:

Abschnitt  Joachimsthal - Templin

Bahn:

ODEG

Alle 2 Stunden konnte man mit der Bahn zwischen der Stadt Eberswalde, dem Werbellinsee bei Joachimsthal (3.000 Einwohner) und der Stadt Templin (14.000 Einwohner) mit seinem historischen Stadtkern pendeln. Nun wird etwa an der Landkreisgrenze Barnim-Uckermark zu Lasten des Verkehrs im Kreis Uckermark abbestellt. 26 Kilometer ist der wegfallende Abschnitt lang und fünf zu schließende Stationen beinhaltet er, die alle an bzw. in kleinen Ortschaften mit guter Bundesstraßenanbindung liegen. Die Strecke ging bis 1996 ab Templin weiter, an der Lychener Seenlandschaft vorbei, bis Fürstenberg/Havel (5.000 Einwohner) und mündete dort in die Berlin-Rostocker Nordbahn. Heute kann man dort für etwa 50 Euro pro Fahrt maximal zu viert mit der Draisine fahren.

ERSATZVERKEHR: Die Buslinie 515 verbindet nun alle 2 Stunden Templin mit Joachimsthal. In Joachimsthal besteht Anschluss von und zur OE63 in Richtung Eberswalde.


Linie:

PE70

Strecke:

Putlitz - Pritzwalk

Bahn:

PEG

Die Bahn verbindet alle 2 Stunden die Städte Pritzwalk (14.000 Einwohner) und Putlitz (3.000 Einwohner). Bis 1980 konnte man ab Putlitz weiter in Richtung Mecklenburg-Vorpommern fahren. Gleise und Bahnhöfe dieser Strecke der Prignitzer Kreiskleinbahnen hat die PEG (und damit der Landkreis Prignitz) Ende 2004 übernommen. In Pritzwalk kann man zu weiteren 3 Strecken umsteigen. In Putlitz ist nicht viel zu sehen, die Burgruine und die Kirche könnte man jedoch als Sehenswürdigkeiten betrachten.

Die Reisezeit ist ziemlich lang: Für die 17 km werden 28 Minuten benötigt, das ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 36 km/h. Da könnte man mit einem guten Fahrrad und etwas Kondition mithalten. An allen 4 Dorfbahnhöfen unterwegs wird zudem nur auf Verlangen gehalten.

ERSATZVERKEHR: Die Buslinie 913 fährt nun öfter als bislang: Am Wochenende werden neu vier Fahrtenpaare angeboten, an Wochentagen wird das Angebot um einzelne Fahrten tagsüber sowie zwei Fahrten abends ergänzt.


Eingeständnis

An unserem Testfahrtag waren all diese Züge nur verschwindend gering besetzt. Das kann natürlich an Tagen mit schönerem Wetter und Schülerverkehr ganz anders aussehen. Jedoch machen es die eingangs beschriebenen demografischen Rahmenbedingungen schwer, den Zugverkehr dort nachhaltig zu sichern. Und man muss sich - ehrlich gesagt - sogar wundern, dass es die eine oder andere Strecke so lang "überlebt" hat, im Bestand zu sein. Mit der Einführung des Taktverkehrs erhielten diese Strecken Mitte der 1990er Jahre alle Zwei-Stunden-Grundtakt, vorher war der Zugverkehr dort eher "übersichtlich".

 

Übrigens

Die Organisation der Bus-Ersatzverkehre ist Landkreissache. Dazu gab es Finanzierungsvorschläge. Nachdem es nun zu Einigungen gekommen ist, konnten wir diese erfreulichen Mitteilungen über Ersatzverkehre (siehe oben bei den Streckenbeschreibungen) auch auf dieser Seite veröffentlichen. Der VBB berichtet im Internet über die Fahrplanänderungen im Bahnverkehr und informiert auch über die Busersatzverkehre, siehe folgende Link-Übersicht.

 

Weitere Änderungen

Hier wurden nur die Strecken beleuchtet, auf denen künftig gar keine Regionalzüge mehr fahren sollen. Angebotseinschränkungen werden auch auf anderen Strecken greifen. Näheres hierzu gibt es bei folgenden weiterführenden Informationsquellen: