Der Adler & der Bär
Falkenberg (Elster): Vom maroden Eisenbahnknoten zum modernen Umsteigebahnhof
Damals war's...
Falkenberg an der Elster ist zwar schon über 750 Jahre alt, war aber bis zur Eröffnung des Eisenbahnknotenbahnhofs (oder zumindest der ersten Strecke davon) nur ein kleines unbedeutendes Dorf. Am 1. Oktober 1848 bekam es unter dem Namen "Falkenberg b. Torgau" einen Bahnhof an der Eisenbahnstrecke Jüterbog - Herzberg - Riesa. Im Jahr 1872 folgte dann die Bahnstrecke Cottbus - Eilenburg - Leipzig. So entstand innerhalb eines Vierteljahrhunderts das noch heute erhaltene Schienenkreuz mit dem Bahnhof Falkenberg (Elster). Durch diese gewaltige Entwicklung erlangte der Ort Falkenberg ein starkes Wachstum.
Heute wohnen etwa 7.500 Menschen in dieser Stadt. Durch die wenig günstigen wirtschaftlichen Bedingungen der heutigen Zeit ist es schwer, diese Einwohnerzahl zu halten. Möglich ist dies aber vielleicht durch den Ausbau der heutigen Eisenbahnstrecken auf höhere Geschwindigkeiten. Nach Berlin (115 km entfernt) benötigt man heute etwa 90 Minuten, nach Cottbus (79 km) sind es knapp eine Stunde und nach Leipzig (71 km) braucht der Regional-Express ebenfalls etwa eine Stunde. Der Bahnverkehr nach Riesa wurde Ende 2004 eingestellt, die Nebenbahn in Richtung Herzberg Stadt, Luckau und Beeskow verlor ihren regelmäßigen Verkehr im Jahr 1995 - zwischen Herz- und Falkenberg pendelten die Züge dort noch bis 1998. Heute wird die Strecke gelegentlich im Sommerhalbjahr von der Deutschen Regionaleisenbahn touristisch mit alten Schienenbussen genutzt. Die Bahnlinie von Falkenberg in Richtung Lutherstadt Wittenberg ist noch in Betrieb, wird aber nur schwach genutzt.
Die Spuren der Vergangenheit
Über 160 Jahre Eisenbahnbetrieb hinterlässt natürlich auch Spuren. Seit Jahren schleichen die Züge über die maroden Gleisanlagen in den Bahnhof Falkenberg ein. Auch die Überquerung der nahezu einsturzgefährdeten Eisenbahnbrücke in Richtung Cottbus / Senftenberg erfolgt für die Personenzüge und die noch viel schwereren Güterzüge nur im Zeitlupentempo, und alle Fahrgäste, die zwischen der unteren und der oberen Bahnstrecke umsteigen müssen (z.B. Berlin - Falkenberg - Leipzig), aber auch nur die verrostete Unterführung zwischen den Bahnsteigen der unteren Strecke nutzen müssen, müssen um ihr Leben fürchten, denn überall sind Brücken-, Bahnsteig- und Fußwegbestandteile weggebröckelt, die Treppenanlagen mussten zwischenzeitlich wegen Einsturzgefahr teilweise gesperrt werden, ebenso einer der (inzwischen ehemaligen) Bahnsteige.
Fit für die Zu(g)kunft
Seit einiger Zeit wird allerdings kräftig saniert, und zwar sowohl an den Bahnstrecken, als auch an den Bahnsteigen. Denn Falkenberg soll ab dem Jahr 2009 in hochmodernem Kleid neu erstrahlen. Mit Aufzügen, stabilen Treppen, zeitgemäßen Wetterschutzhäuschen und normgerechten Bahnsteigen zum möglichst stufenlosen Ein- und Ausstieg.
Hier ein paar Fotos, die am 27.12.2007 entstanden:
.: zu den Fotos
Und das passiert hier noch bis zum Jahr 2009:
- Treppen- und Zwischenebenen im oberen und unteren Bahnhofsteil werden saniert.
- Erneuerung der Brücke an der Liebenwerdaer Straße (siehe Fotos).
- Auch die Durchlässe Brandlache und Hörstebach
- Sanierung der Gleisanlagen des oberen Bahnhofsteils auf Geschwindigkeiten bis 160 km/h
- Nach der Fertigstellung gibt es oben nur noch zwei durchgehende Gleise mit zwei Außenbahnsteigen. Zwischen den Gleisen 1 bis 3 (unten) und 6 und 7 (oben) gibt es dann Treppen und Aufzüge.
- Bau einer Lärmschutzwand.
- Bei dem Umbau wird auch das Vorhandensein eventueller Sprengkörper geprüft.
- Nahe des Bahnhofs sind
bereits eine große moderne Fahrradabstellanlage und ein Park
& Ride-Parkplatz entstanden - beide Services sind kostenlos nutzbar.
Wegen der Bauarbeiten kommt es immer wieder zu gelegentlichen Fahrplanänderungen bei den Bahnlinien RE5, RE10, RE11, RB43 und RB51, die alle am Bahnhof Falkenberg vorbei kommen. Es müssen zeitweise Bahnsteige und Gleise gesperrt werden, so dass nicht genug Platz für die Züge zur Verfügung steht. Die Folge sind Fahrtausfälle mit Ersatzverkehr bei den genannten Bahnlinien. Der Zugverkehr über den oberen Bahnhofsteil wird auch noch im Jahr 2008 über nur ein Gleis abgewickelt. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Fahrplangestaltung dieser Bahnlinien, denn eigentlich soll Falkenberg ja ein "Nullknoten" (Erklärung dieses Begriffs .: hier) sein.
Wenn also alles so läuft, wie sich die Deutsche Bahn vornimmt, dann wird Falkenberg (Elster) im Jahr 2009 ein moderner Kleinstadtknotenbahnhof mit komfortablen Umsteigemöglichkeiten sein.
ÖPNV online ist gespannt auf das Ergebnis und weist alle Fahrgäste darauf hin, dass das Umsteigen hier bis zum Ende der Sanierungsarbeiten das Ein-, Aus- und Umsteigen für Menschen mit Gepäck sowie weitere Mobilitätsbeeinträchtigte nur schwer bzw. gar nicht möglich ist.
